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Kapitel 1

Das Erwachen der Legion

Der Morgen war angebrochen, aber das Labor von Dr. Hubert Quarks blieb in einem Zustand ewiger Dämmerung, nur spärlich erhellt durch die flackernden Lichter der Monitore, die um ihn herum aufblinkten. Staubpartikel tanzten im schmalen Lichtkegel einer einsamen Schreibtischlampe, und das monotone Summen der Maschinen schien wie ein nervöser Tinnitus in Huberts Ohren zu klingen.

Er wischte sich über die Stirn und atmete tief durch. Der Boden unter seinen Füßen fühlte sich klebrig an, als ob der Kaffee, den er in der Nacht zuvor verschüttet hatte, sich entschieden hätte, seinen eigenen klebrigen Mikrokosmos zu schaffen. „Ein Tag wie jeder andere“, murmelte er, während er einen weiteren Schluck kalten Kaffees aus einer Tasse nahm, die schon bessere Tage gesehen hatte.

Die Kammern der Legion Beta öffneten sich langsam, begleitet von einem synchronen Zischen, das die Ruhe im Raum durchbrach. Es war ein Moment, den Hubert oft in seinen Träumen durchlebt hatte – ein Moment, in dem seine Schöpfung zum Leben erwachen würde, bereit, die Welt nach seinen Vorstellungen zu formen.

Doch bereits in diesen ersten Sekunden ahnte er, dass etwas nicht stimmte.

Ein Klon – der erste in der Reihe, den er „Chuck“ genannt hatte – trat vor. Sein Blick fiel auf einen verstaubten Spiegel, der schief an einer der Werkbänke lehnte. Mit einem selbstgefälligen Grinsen trat Chuck näher und betrachtete sich selbst. „Wow“, murmelte er, „ich wusste gar nicht, dass ich so gut aussehe.“

Huberts Augenbrauen schossen in die Höhe. „Das… war nicht programmiert“, flüsterte er, während sein Verstand fieberhaft versuchte, die Situation zu verstehen. Ein Klon sollte keine Eitelkeit kennen, geschweige denn ein Selbstbild haben. Doch Chuck schien nichts von alledem zu interessieren. Er war viel zu beschäftigt damit, sich in einer Pose zu betrachten, die an einen Held aus einem zweitklassigen Actionfilm erinnerte.

Während Hubert noch darüber nachdachte, wie ein Klon solche Verhaltensweisen entwickeln konnte, trat ein weiterer Klon – „Alpha-13“ – nach vorne. Er durchquerte den Raum mit einer präzisen Gelassenheit, die Hubert unbehaglich machte, und schnappte sich ein leeres Blatt Papier, das auf einem Tisch lag.

Ohne zu zögern, begann Alpha-13, das Papier zu falten. Er schien völlig in seiner Aufgabe aufzugehen, als ob nichts in der Welt von größerer Bedeutung wäre. „Ein Papierflugzeug?“, murmelte Hubert. „Warum… und wie…?“

Alpha-13 vollendete sein Werk mit einem zufriedenen Lächeln. „Ich nenne es ‚Chuck’s Flügel‘“, verkündete er und ließ das Flugzeug durch die Luft segeln. Es flog in einer eleganten Kurve, um dann direkt in einem der Lüftungsschächte zu verschwinden.

„Toll, genau das, was wir brauchen – blockierte Lüftungsschächte“, murmelte Hubert, während er das Spektakel beobachtete. „Vielleicht sollte ich eine Fluggesellschaft gründen. 'Air Paradox' – Flüge ins Ungewisse, keine Rückerstattung.“

Doch die Absurdität des Morgens nahm erst Fahrt auf. Während Hubert noch damit beschäftigt war, den unerwarteten Verlust seines Lüftungssystems zu verarbeiten, trat Chuck vor die Kaffeemaschine – das Herzstück des Labors. Diese Maschine war mehr als nur ein Kaffeebereiter; sie war Huberts Lebensader, der einzige Grund, warum er noch funktionierte.

„Zeit für eine Tasse des besten Kaffees, den die Welt je gesehen hat“, verkündete Chuck in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Doch in Hubert brodelte eine unheilvolle Vorahnung.

„Nein, warte!“, rief Hubert und stürzte vor, doch es war zu spät. Chuck hatte bereits den Startknopf gedrückt – mit einer solchen Wucht, dass die gesamte Maschine zu beben begann. Ein tiefes Stöhnen entwich dem Gerät, als es unter dem plötzlichen Druck zitterte, bis es schließlich in einer gewaltigen Explosion aus Dampf, Kaffeebohnen und Plastiktrümmern aufging.

Hubert stolperte zurück, die Hitze der Explosion noch in seinem Gesicht spürend, während die anderen Klone fasziniert zusahen. Es war, als ob sie ein besonders spannendes Spektakel verfolgen würden. „Ich habe ihn doch gewarnt“, murmelte Hubert, als er die Ruinen seines einst treuen Kaffeeautomaten betrachtete. „Natürlich ist es der Klon, der sich für unbesiegbar hält.“

Während er versuchte, seine Gedanken zu ordnen, trat Beta-42 vor. Er inspizierte das Desaster, das einst eine Kaffeemaschine war, mit dem Blick eines Generals, der ein Schlachtfeld überblickt. „Chuck Norris braucht keinen Kaffee. Kaffee braucht Chuck Norris“, sagte Beta-42 in einem Ton, der nicht nur Nachahmung, sondern auch unerschütterliche Überzeugung ausdrückte.

Das synchronisierte Lachen, das daraufhin aus allen Klonen hervordrang, erfüllte das Labor mit einem unheimlichen, fast mechanischen Klang. Es war, als ob sie alle gleichzeitig den absurdesten Witz der Welt gehört hätten – und Hubert hatte das beunruhigende Gefühl, dass dieser Witz auf seine Kosten ging.

„Großartig, das wird eine lange Woche“, seufzte Hubert, griff nach seinem treuen „Glücks-Schraubenzieher“ und machte sich daran, die Reste der Kaffeemaschine irgendwie zusammenzuflicken – oder das, was davon übrig war. Doch während der Rauch sich verzog und die ersten Trümmer beseitigt wurden, schien das Paradoxon, das er unwissentlich losgetreten hatte, nur noch tiefer in die Realität des Labors einzudringen.

Während Hubert versuchte, den Kaffeefleck aus seinem weißen Kittel zu reiben, vernahm er plötzlich das vertraute, aber in diesem Moment völlig unerwünschte Piepen des Rauchmelders, der verkündete, dass irgendwo in den Tiefen des Lüftungssystems etwas brannte – wahrscheinlich ein Stück Papierflugzeug. „Na großartig, jetzt auch das noch“, stöhnte Hubert und rieb sich die Schläfen.

„Air Paradox“ klang auf einmal gar nicht mehr so abwegig.

Das Kapitel endete, aber Hubert wusste tief in seinem Inneren, dass dies nur der Anfang war. Das Erwachen der Legion Beta hatte begonnen – und mit ihm auch der Beginn eines Paradoxons, das Hubert Quarks in eine Spirale aus Wahnsinn und unvorhersehbarem Schicksal zu reißen drohte.