Die Nacht brach über den dichten Dschungel herein, und die Crew der Galactic Heap hatte es sich um ein notdürftig errichtetes Lagerfeuer bequem gemacht. Das Schiff war mehr oder weniger in einem Zustand der Selbstreparatur – was bedeutete, dass sie es sich selbst überlassen hatten, während sie hofften, dass nichts Schlimmeres passierte.
„Das Feuer hält die Insekten fern, oder?“ fragte Ziggy, während er nervös in die Dunkelheit starrte, wo die riesigen Insekten, denen sie zuvor begegnet waren, lauernd ihre Fühler bewegten.
„Hoffentlich“, murmelte Kira, die in den Flammen stocherte und versuchte, eine unauffällige, aber effektive Waffe aus ein paar herumliegenden Stöcken und etwas Draht zu basteln.
„Ich frage mich, wie lange es dauert, bis uns die Einheimischen auffressen“, fügte Axl hinzu, der in einem Anfall von Pragmatismus einen improvisierten Schutzwall aus Steinen und großen Blättern um das Lager aufrichtete.
„Ein paar Stunden, wenn wir Glück haben“, sagte Kira und warf einen prüfenden Blick in den Dschungel, wo sich die Geräusche der Nacht zu einem unheilvollen Chor zusammenfügten. „Vielleicht sollten wir Schichtwache halten.“
Doch gerade, als die Nacht still und fast beruhigend erschien, wurde die Ruhe durch ein lautes Getöse aus dem Dschungel durchbrochen. Etwas Großes – sehr Großes – bewegte sich auf ihr Lager zu.
„Oh nein, was kommt jetzt?“ Ziggy sprang auf, während er sich hektisch umsah. „Sind das die Insekten?“
„Nein, es klingt... schwerer“, sagte Axl, der seine improvisierte Verteidigungsmauer überprüfte, als ob sie einen riesigen Dinosaurier aufhalten könnte.
Aus dem Dickicht brachen schließlich mehrere riesige, zottelige Kreaturen hervor, die wie eine Mischung aus Mammuts und Nashörnern aussahen, nur dass sie zwei zusätzliche Beine und drei Reihen furchterregender Zähne hatten. Sie blieben stehen und starrten die Crew an, als wollten sie entscheiden, ob sie Freund, Feind oder Abendessen war.
„Ähm... hallo?“ versuchte Kira vorsichtig, die Tiere anzusprechen, während sie langsam eine Hand hob.
Eine der Kreaturen grunzte tief und stapfte auf die Galactic Heap zu. Mit ihrem gewaltigen Rüssel strich sie neugierig über die Außenhülle. Die anderen folgten ihrem Beispiel und untersuchten das Schiff mit sichtbarer Begeisterung.
„Ich glaube, sie mögen unser Schiff“, flüsterte Ziggy.
„Ja“, antwortete Axl trocken. „Leider sieht das eher nach Appetit als nach Bewunderung aus.“
Tatsächlich begann eine der Kreaturen, an einem herausragenden Metallteil zu kauen.
„Nicht das auch noch!“ rief Kira. „Wir müssen sie irgendwie ablenken.“
Ziggy ließ den Blick hektisch über die Umgebung schweifen. Wenige Meter entfernt entdeckte er einen Baum voller großer, leuchtender Früchte.
„Ich hoffe wirklich, dass das keine explodierenden Dschungelbirnen sind“, murmelte er, riss mehrere Früchte herunter und warf sie den Tieren entgegen.
Die Wirkung war verblüffend.
Sofort wandten sich die Kreaturen den Früchten zu und verschlangen sie mit hörbarem Genuss. Zufriedenes Schmatzen erfüllte den Dschungel, während die Galactic Heap für den Moment vergessen war.
„Das... hat tatsächlich funktioniert“, staunte Axl.
„Offenbar schmecken Früchte besser als Raumschiffe“, sagte Kira erleichtert.
„Gut für uns“, meinte Ziggy. „Schlecht für den Obstbestand dieses Planeten.“
Solange die Kreaturen fraßen, nutzte die Crew jede Minute. Kira überprüfte beschädigte Leitungen, Axl stabilisierte die Energieversorgung mit provisorischen Schaltungen, und Ziggy schleppte Ersatzteile aus den weniger beschädigten Bereichen des Schiffes heran.
Als die letzten Früchte verschwunden waren, schien jedoch etwas Unerwartetes zu geschehen.
Die riesigen Tiere gähnten ausgiebig.
Eines nach dem anderen legte sich direkt neben der Galactic Heap ins hohe Gras. Wenige Augenblicke später erfüllte tiefes Schnarchen den Dschungel.
Die Crew blickte sich sprachlos an.
„Ich hätte nie gedacht, dass unser Schiff einmal als Kopfkissen endet“, flüsterte Ziggy, als eine der Kreaturen ihren massigen Rüssel quer über die Außenhülle legte.
„Immerhin frisst sie es gerade nicht“, erwiderte Axl. „Das werte ich als deutlichen Fortschritt.“
Kira konnte sich ein müdes Lächeln nicht verkneifen.
„Ab morgen reparieren wir die Heap. Heute überleben wir einfach nur die Nacht.“
Niemand widersprach.
Nur das leise Knistern der Glut, das tiefe Atmen der schlafenden Giganten und das Zirpen unzähliger unbekannter Wesen erfüllten die Dunkelheit.
Dann öffnete eine der Kreaturen plötzlich ein Auge.
„Hat sie uns gerade angesehen?“ flüsterte Ziggy.
Axl richtete seine Sensoren auf das gewaltige Tier.
„Negativ“, sagte er nach einem kurzen Moment. „Sie schläft.“
„Woher willst du das wissen?“
„Weil sie im Schlaf an unserem Landefuß kaut.“
Alle drei drehten gleichzeitig den Kopf zur Galactic Heap.
Ein langgezogenes metallisches Knirschen durchschnitt die nächtliche Stille.
Kira schloss langsam die Augen.
„Morgen“, sagte sie trocken. „Morgen wird ein sehr langer Tag.“